Fine Art Photography Roman Gruber

- Roman Gruber Nonconform Art Photography -



Die Wiederkehr des Menschlichen gegen eine algorithmische Perfektion, die nach Vollkommenheit strebt und doch an der fehlenden Seele scheitert.


Schwarz - Weiß 2026

Ein leiser Aufstand gegen die makellose Künstlichkeit der  Pixelperfektion.


Warum die Reduktion auf Licht und Schatten zum künstlerischen Gegenentwurf der KI-Ästhetik wird

Die Schwarz-Weiß-Fotografie erlebt eine kraftvolle Renaissance – nicht als Retro-Geste, sondern als bewusste Haltung. In einer Zeit KI-optimierter, hyperrealer Farbbilder steht sie für Reduktion, Tiefe und Konzentration auf das Wesentliche.

Ohne Farbe treten Form, Kontrast, Lichtführung und Textur in den Vordergrund. Bilder gewinnen an Intensität und atmosphärischer Dichte. Gleichzeitig verleiht Schwarz-Weiß eine zeitlose Eleganz, die sich modischen Farbtrends entzieht.

Der Trend ist auch Ausdruck von Entschleunigung: Ob analog oder bewusst digital – Fotograf:innen suchen wieder den verlangsamten, reflektierten Prozess. Schwarz-Weiß wird so zur ästhetischen Entscheidung – und zum künstlerischen Statement gegen visuelle Überreizung.



Fotograf Alexander Rodtschenko bei der Arbeit, 1932


„Symbolischer Machtwandel: Der Schornstein als vertikales Signum der industriellen Revolution und seine Substitution durch die unsichtbare Logik von KI und Robotik.“


Anton Meinholz, Werkstattgebäude und Kesselhaus mit Schornstein der Zeche Zollverein, Essen 1934.


Mit der Industriellen Revolution ab dem späten 18. Jahrhundert veränderte sich nicht nur die Lebensrealität der Menschen, sondern auch die Themen und Ausdrucksformen der Kunst. Der Schornstein – als Symbol für Industrialisierung, Fortschritt, aber auch Entfremdung und Umweltzerstörung – wurde zu einem markanten Motiv in Malerei, Fotografie und Grafik. In verschiedenen künstlerischen Strömungen erhielt er unterschiedliche Bedeutungen:


Werke am Ufer der Oundaine bei Firminy - zwischen 1895 und 1910




 “Circus Barnum – or, The Last Smoker Standing.” © 2025 Grafik, Fotografie, ROMAN GRUBER


»Sturzflug auf die Stadt« ist ein Bild des flugbegeisterten Malers Tullio Crali



Le forze della curva von Tullio Crali



„Kein(e) Gaudi für Ulm?!“

Einstein, die HfG und ein Hauch von Kepler bis Karajan – kann Ulms Genialität, Gaudís visionärem Höhenflug die Stirn bieten?

Ulms genial anmutende Bewohner und Phasen liegen schon längere Zeit zurück. Gaudí hingegen schaffte es, weit über seinen Tod und die unvermeidliche Endlichkeit hinaus, ein Beispiel zu bleiben – ein Fels in der Brandung der Vergänglichkeit, wie des Vergänglichen im Allgemeinen.


„Keine Gaudi“ – in doppeltem Wortsinn!

Während CAD-generierte Rasterfassaden zunehmend das Stadtbild vieler Metro-polen prägen, geht die indi-viduelle Handschrift aktuel-ler Bauvorhaben immer häu-figer verloren. Doch archi-tektonische Meisterwerke wie das Haus am Rupenhorn beweisen, dass anspruchs-volle Formgebung nicht nur realisierbar ist, sondern auch weiterhin ein erstrebens-wertes Ziel bleiben sollte.

        Basilika La Sagrada Família von Antonio Gaudí

die sich nun ihrer Fertigstellung nähert, wird dabei bald das Ul-mer Münster mit dem höchsten Kirchturm der Welt beerben.

Auch die Casa Malaparte, zeigt uns, daß eine leben-dige, charakterstarke und zeitlose Architektur möglich ist. Antoni Gaudí und später F. Hundertwasser setzten be-wusst auf organische For-men, in- spiriert von der Natur, dem Goldenen Schnitt, der Zahl Pi und den Fibonacci - Folgen. Die Sagrada Família in Barcelona,

Ein Kapitel der Architekturge-schichte endet – hoffentlich beginnt nun zügig ein trans-formatives Zeitalter der Bau-geschichte, das weltweit verant-wortungsbewusst, vorrangig nachhaltig und ebenso zu-kunftsweisend geprägt sein wird, wie Gaudís nach wie vor visionäre und heute mehr denn je aktuelle organisch-biomorphe Architektur.




        Wengenkirche und Münsterturm  © 2025 Grafik, Fotografie, ROMAN GRUBER


         © 2025 Grafik, Fotografie, ROMAN GRUBER


Berlin wird immer einheitlicher

„Hang zur Schießscharten-Architektur – die Rasterfassade prägt die Neubauten – zunehmend auch in Ulm.“







"Architektur, die mich beeindruckt und geprägt hat." Hans and Wassili Luckhardt, Giuseppe Terragni, Renzo Piano, Mario Botta, Walter Gropius, Mies van der Rohe, Bruno Taut, Le Corbusier, Oskar Niemeyer u.v.a.



Jimi Hendrix Experience





         © 2025 Grafik, Fotografie, ROMAN GRUBER


Udo Heimermann: Försters Weinterrassen, Bad Neuenahr-Ahrweiler (2000)



"Organische Architektur: Inspirierende Entwürfe und Beispiele. Video (1-3)"










„Es gibt keine Regeln für gute Fotos, es gibt nur gute Fotos.“

Ansel Adams


Das 82 m hohe Universum Center in Ulm, erbaut 1968, umfasst 22 Stockwerke, Wohnungen, Geschäfte und ein Restaurant. Architekt des Bauwerkes war der Stuttgarter H.M. Wein. 

„SOS – Wir tanken weiter

„SOS – Doch wir tanken weiter. Selbst wenn die gesamte Schöpfung kippt.“

Fünfzig Jahre Galgenfrist – und die Vernunft bleibt auf der Strecke.


Jede Fahrt, jede Tankfüllung, jedes unbegrenzte Verbrennen fossiler Ressourcen hinterlässt Spuren, die nicht mehr einfach verschwinden. Die Konsequenzen unseres Handelns häufen sich, werden immer häufiger und drastischer – Stürme, Dürren, Überschwemmungen, Artensterben – und sie treffen nicht nur uns heute, sondern vor allem die nachfolgenden Generationen allen Lebens auf der Erde. Wir schulden ihnen eine Welt, die noch atmen, wachsen und blühen kann. Jeder weitere Moment des Abwartens kostet Zeit, die unwiederbringlich verloren ist. Es ist ein Ruf nach Verant-wortung, nach Handeln, nach einer radikalen Wende, bevor die Schäden irreversibel werden.

Die Warnungen sind nicht neu. Schon 1968 veröffentlichte Bertrand Russell in seinem Buch „Hat der Mensch noch eine Zukunft?“ eindringlich, dass unkontrolliertes Wachstum, Krieg und Ignoranz gegenüber ökologischen Grenzen die Existenz des Lebens auf der Erde bedrohen. Kurz darauf, 1972, machte der Club of Rome mit seinem Bericht „Die Grenzen des Wachstums“ global deutlich, dass Ressourcen endlich sind und unbegrenztes Wachstum zu ökologischen und gesellschaftlichen Kollaps führen würde. Sie sprachen klar, deutlich und unmissverständlich – die ganze Welt verstand die Warnungen.

Seit diesen ersten Warnungen sind mehr als fünf Jahrzehnte vergangen. Viel Zeit wurde vergeudet. Statt entschlossener, dauerhafter und konsequenter Handlungsstrategien dominieren absurde Kriege, Machtinteressen und Geldgier, die das Wohl der gesamten Weltflora und -fauna massiv gefährden.

Heute erhebt sich eine neue Generation – Fridays for Future, Ende Gelände – und fordert dringend entschlossenes Handeln. Doch Institutionen, Lobbys und Machtstrukturen verhärten sich wie Geschwüre gesellschaftlicher Profiteure. Sie handeln getrieben von ewiger Gier, ihrem Streben nach Milliarden, gesellschaftlicher Macht und persönlicher Machterhaltung, statt im Sinne der Gesellschaft zu wirken, die sie vertreten und lebensfördernd unterstützen sollten. Ihr Handeln dient ausschließlich persönlicher Macht, Selbstbereicherung und ungebremster Machterhaltung, oft innerhalb geschlos-sener Machtzirkel und Clans.

Moderne Staatsmacht degeneriert zunehmend – wie in den einstigen Bananenrepubliken, regiert von faschistoiden Militärjuntas und selbsternannten Staatslenkern, unterstützt durch repressiv-dezimierende Geheimdienste, die oppositionelle Bürger verschwinden ließen oder ermordeten. Historische Beispiele: Pinochet in Chile, Franco in Spanien, Idi Amin in Uganda.

Selbst die maßgeblichen Zentren globaler Macht – ausgestattet mit enormen Militärkapazitäten und Atomarsenalen – bewegen sich inzwischen auf einem gefährlichen Pfad. Andere folgen dicht dahinter, getrieben von persönlichen Machtinteressen und Eigennutz, während das Wohl der Menschen zunehmend ignoriert oder in den Hintergrund gedrängt wird. Die Gefahr, dass sich in diesen Machtzentren autoritäre und korrupte Strukturen verfestigen, ist längst keine hypothetische mehr – sie ist real und akut bedrohlich.

Die Folgen sind eskalierende Klimakatastrophen, Artensterben, Überschwemmungen und Dürren – sie treffen nicht nur uns, sondern vor allem die nachfolgenden Generationen. Jede Verzögerung verschärft die Gefahren für alle Lebensformen.

Es ist nicht länger eine abstrakte Warnung. Sie ist real, sie ist dringlich, und sie fordert radikales, sofortiges Handeln – bevor die Schäden irreversibel werden und wir endgültig die Lebensgrundlagen allen Lebens zerstören.







         © 2025 Grafik, Fotografie, ROMAN GRUBER




BÄUME FÜR KLIMAGERECHTIGKEIT



Handeln wir jetzt, bevor es zu spät ist!

Gefahr im Verzug: Klima- und Umweltkatastrophen sind real.


Die Folgen unseres Handelns oder Nicht-Handelns sind allgegenwärtig, und die drohenden Szenarien sind längst nicht mehr nur düstere Fantasien. Umweltkatastrophen, Atomrisiken und der steigende Meeresspiegel gefährden heute schon das Leben auf unserem Planeten. Gebiete wie das Bikini-Atoll, einst ein Ort atomarer Tests, sind ein Mahnmal für die Langzeitfolgen unseres Umgangs mit der Erde. Während die Radioaktivität dort inzwischen abnimmt, bleibt das Gebiet ein Symbol für irreversible Schäden und Mahnung zur Vorsicht.

Doch trotz dieser dramatischen Entwicklungen bleibt Hoffnung: Jeder von uns hat die Möglichkeit, durch verantwort-ungsbewusstes Handeln einen Beitrag zum Wandel zu leisten. Es ist an uns, den Kurs zu ändern und eine lebenswerte Zukunft für kommende Generationen zu sichern – bevor die Warnsignale zur Realität werden.















Filmrezension: La Cocina – Der Geschmack des Lebens 


Regie: Alonso Ruizpalacios.  

In der hektischen Küche eines Times-Square-Restaurants kämpfen Migrant:innen um Anerkennung und das tägliche Überleben. Der mexikanische Koch Pedro gerät unter Verdacht, als Geld verschwindet, und das fragile Gleichgewicht der Küche droht zu zerbrechen. Das Chaos und die Ängste hinter den Kulissen spiegeln eine kalte, armenfeindliche Gesellschaft wider, in der Reichtum gefeiert, den Armen nur Brotkrumen zugestanden und privilegierte Eliten an reich gedeckten Staatsbanketten schlemmen.



Filmrezension: The Mastermind (Kelly Reichardt)


The Mastermind ist ein leiser, beinahe asketischer Film – einer, der sich dem schnellen Urteil entzieht und stattdessen Geduld verlangt. Kelly Reichardt bleibt sich treu: Sie erzählt keine Geschichte des großen Spektakels, sondern eine des schleichenden Verfehlens. Für mich als Fotograf und Künstler liegt genau darin die Stärke dieses Films.

Der Hauptdarsteller verkörpert einen Mann, der auf den ersten Blick intelligent, reflektiert und keineswegs töricht erscheint – und dennoch scheitert. Nicht aus Dummheit, sondern aus einer eigentümlichen Unbedarftheit heraus. Sein Streben nach Freiheit, nach Unabhängigkeit und Selbstbestimmung wirkt nachvollziehbar, fast universell. Doch genau dieses weit verbreitete Ideal bringt ihn in Situationen, die unnötig, ja beinahe banal fatal sind. Schritt für Schritt läuft in seinem Leben nahezu alles schief, obwohl er – oder vielleicht gerade weil er – glaubt, überlegt zu handeln.

Der Film zeigt sehr klar: Viel Geld bedeutet nicht automatisch ein sorgenfreies Leben. Die Probleme verschwinden nicht, sie verwandeln sich. Sie verästeln sich, werden komplexer, widersprüchlicher, und am Ende kaum noch lösbar – wie ein gordischer Knoten, der nicht mehr durchdacht, sondern nur noch zerschnitten werden könnte. Doch Reichardt verweigert diese Katharsis konsequent.

Besonders beeindruckt haben mich die Kameraarbeit und die Lichtsetzung. Die Bilder wirken malerisch, fast impressionistisch, ohne je dekorativ zu sein. Licht wird nicht eingesetzt, um zu erklären, sondern um Stimmungen offenzulegen. Viele Einstellungen haben eine stille, beobachtende Qualität – als würde man durch eine Kamera schauen, die nicht eingreift, sondern geduldig wartet. Räume, Landschaften und Gesichter erzählen dabei ebenso viel wie der Dialog.

The Mastermind ist ein ruhiger Film, ein Film des Dazwischen. Er urteilt nicht, er erklärt nicht, er zeigt. Und gerade darin liegt seine Tiefe. Für mich ist er weniger eine klassische Erzählung als eine visuelle und existenzielle Studie über das Missverständnis von Freiheit – und darüber, wie leicht ein scheinbar kluger Mensch sich selbst in ausweglose Situationen manövrieren kann.

Ein Film, der nachhallt. Still. Unaufdringlich. Und gerade deshalb nachhaltig.



Filmrezension: The Secret Agent (2025)


Kleber Mendonça Filho inszeniert mit The Secret Agent keinen klassischen Thriller, sondern eine vielschichtige politische Parabel über Angst, Macht und Erinnerung. Der Film spielt im Brasilien der 1970er-Jahre während der Militärdiktatur und folgt einem Mann auf der Flucht, der versucht, inmitten eines repressiven Systems ein Stück persönlicher Freiheit zu bewahren.

Was zunächst wie ein Spionage- oder Verfolgungsfilm wirkt, entfaltet sich langsam als atmosphärische Studie über Unsicherheit und Misstrauen. Die Handlung schreitet nicht in spektakulären Wendungen voran, sondern in kleinen Verschiebungen – Gesprächen, Blicken, Begegnungen –, die allmählich ein Bild eines Landes im Zustand latenter Bedrohung ergeben.

Besonders eindrucksvoll ist die Präsenz von Wagner Moura, dessen Spiel eine Mischung aus Intellekt, Müdigkeit und unterschwelliger Angst vermittelt. Seine Figur wirkt nie heroisch; sie ist vielmehr ein Mensch, der versucht, in einer politischen Realität zu überleben, die jede moralische Gewissheit untergräbt.

Visuell arbeitet der Film mit einer fast nostalgischen Bildsprache: warme Farben, dichte Räume, Straßen und Gesichter, die Geschichte zu tragen scheinen. Die Kamera beobachtet geduldig und lässt Zeit und Atmosphäre wirken, anstatt Spannung künstlich zu forcieren.

The Secret Agent ist damit weniger ein Thriller als eine Reflexion über Macht und Erinnerung. Ein Film über das Leben im Schatten politischer Gewalt – still, vielschichtig und von einer melancholischen Intensität, die noch lange nach dem Abspann nachhallt.




Filmrezension: Der Fremde (2025)

Der Fremde - Neuverfilmung von François Ozon


Filmbesprechung

Die Neuverfilmung von Albert Camus’ Roman Der Fremde durch François Ozon ist – so viel vorweg – kein Werk, das sich in erster Linie über narrative Innovation definiert. Vielmehr handelt es sich um einen Film der Atmosphäre, der Bildkomposition und der inneren Zustände, die sich zwischen Schweigen, Licht und Leere entfalten.


Ästhetik & Bildsprache

Ozons Entscheidung für ein klassisches Schwarz-Weiß ist kein bloßer Stilgriff, sondern eine bewusste Reduktion auf existenzielle Grundzustände. Licht und Schatten werden zu moralisch ambivalenten Räumen – passend zur Figur Meursault, die sich jeder klaren Wertung entzieht.

Die visuelle Nähe zu Federico Fellini – insbesondere zu – ist dabei kein Zufall:

  • Surreale Traumsequenzen finden sich als lose, fragmentarische Einschübe.

  • Allerdings sind sie bei Ozon weniger verspielt als bei Fellini, sondern eher existentiell aufgeladen, fast bedrückend.

Ein Bezug zum italienischen Realismus der 1960er Jahre liegt nahe – wobei präzisiert werden muss: Ozon zitiert diesen eher stilistisch als inhaltlich. Der klassische Neorealismus war sozial geerdet, während Ozons Film stärker philosophisch abstrahiert.


Inszenierung der Hauptfigur

Meursault bleibt – wie bei Camus – ein Fremdkörper. Ozon vermeidet psychologische Erklärung und vertraut stattdessen auf Leerstelle und Distanz. Dies funktioniert nicht durchgehend reibungslos: Gerade ein modernes Publikum erwartet häufig eine stärkere emotionale Führung. Doch genau darin liegt die Konsequenz der Inszenierung – und zugleich ihre Radikalität.


Vergleich: Die Verfilmung von 1967 (Visconti)

Die erste große Adaption stammt von Luchino Visconti:
Der Fremde (Original: Lo straniero).

Marcello Mastroianni spielt die Hauptrolle des Meursault – eine der zentralen Stärken dieser Version.

Unterschiede in Stoffbehandlung und Inszenierung

Visconti (1967):

  • stärker klassisch-narrativ

  • betont gesellschaftliche und koloniale Kontexte (Algerien)

  • Mastroianni bringt eine subtile Melancholie ein – weniger „leer“, mehr latent reflektierend

  • visuell opulent, mit sorgfältiger Milieuzeichnung

Ozon (Neuverfilmung):

  • stärker formalistisch und reduziert

  • Fokus auf innere Leere und Absurdität

  • experimenteller Umgang mit Zeit, Erinnerung und Traum

  • weniger politisch konkret, mehr existenzialistisch-abstrakt

Fazit

Ozons Der Fremde ist kein Film für ein breites Publikum, sondern eine ästhetisch strenge, beinahe meditative Annäherung an Camus’ Denken. Die Nähe zu Fellini ist erkennbar, auch wenn die surrealen Elemente deutlich disziplinierter und existenziell zugespitzter eingesetzt werden.

Im direkten Vergleich wirkt Viscontis Version zugänglicher und erzählerisch greifbarer, während Ozon den Stoff konsequent in die Gegenwart filmischer Form als philosophisches Experiment überführt.

Zugespitzt formuliert:

  • Visconti erklärt die Welt von Meursault.

  • Ozon lässt den Zuschauer in ihr zurück – ohne Erklärung.





Sovereign - Das Gesetz bin ich


Christian Swegals Debütfilm zeichnet ein beklemmend realistisches Porträt eines Amerikas, das sich selbst nicht mehr versteht. Im Zentrum stehen drei herausragende schauspielerische Leistungen: Nick Offerman als fanatisierter Vater, Jacob Tremblay als innerlich zerrissener Sohn und Dennis Quaid als Vertreter staatlicher Ordnung. Gerade in ihrem Zusammenspiel entfaltet der Film eine enorme emotionale Wucht.

„Sovereign“ zeigt keine einfachen Bösewichte, sondern Menschen, die sich als Verlierer eines Systems empfinden, das ihnen keinen Platz mehr lässt. Diese „Abgehängten“ sind nicht per se radikal – sie suchen ein schlichtes, würdiges Leben, scheitern jedoch an einer Gesellschaft, die Erfolg, Stärke und Besitz über alles stellt. Der Film deutet an, wie ein solcher Druck in Ideologien kippen kann.

Dabei entsteht ein düsteres Bild des gegenwärtigen Amerika: ein Land, in dem Reichtum und Macht zunehmend konzentriert sind, während viele am Rand stehen. Staat, Markt und Moral scheinen sich voneinander entfernt zu haben. Besonders im religiös geprägten „Bible Belt“ prallen traditionelle Werte – Glaube, Waffenbesitz, individuelle Freiheit – auf eine Realität, in der diese Versprechen immer weniger eingelöst werden.

Das Ergebnis ist ernüchternd: kein klassisches Happy End, sondern das Gefühl einer gesellschaftlichen Sackgasse. „Sovereign“ wirkt dabei weniger wie ein Thriller als wie eine stille, aber scharfe Anklage – vor allem gegen den schwindenden sozialen Zusammenhalt weiter Teile der amerikanischen Bevölkerung.

Der Film legt offen, wie grundlegende Systeme für viele längst am Limit arbeiten: ein überfordertes Bildungssystem, eine Gesundheitsversorgung, die für viele unerschwinglich ist, eine brüchige Altersabsicherung und selbst die alltägliche Nahrungsversorgung, die für manche zur Unsicherheit wird. Was einst als gesellschaftliches Fundament gedacht war, erscheint hier ausgehöhlt.

Gleichzeitig deutet die Erzählung an, dass wirtschaftliche Macht und politischer Einfluss zunehmend bei den Wohlhabenden konzentriert sind – mit der Folge, dass sich viele Menschen vom Staat nicht mehr getragen, sondern zurückgelassen fühlen. Diese Wahrnehmung speist Frust, Misstrauen und letztlich Radikalisierung.

So wird „Sovereign“ zu einem düsteren Spiegel: Er zeigt nicht nur individuelle Verzweiflung, sondern das Zerfasern eines Systems, in dem sich immer mehr Menschen fragen, ob es für sie überhaupt noch einen Platz gibt.